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Zukünftige Lösungsansätze / Forschung

Natürliche Feinde

Als Gegenspieler von Drosophila-Arten in Europa kommen vor allem parasitische Hymenopteren in Frage:

Gallwespen Leptopilina-Arten, (Hym., Cynipoidea)

Brackwespen Asobara-Arten, (Hym., Braconidae, Unterfamilie Alysiinae)

Zehrwespen Trichopria-Arten, (Hym., Proctotupoidea, Diapriidae)

Erzwespen Pachycrepoideus vindemmiae (Hym., Chalcidoidea, Pteromalidae).

Die genannten Arten sind entweder Larval-Pupalparasitoide oder reine Pupalparasitoide.

Die in Europa im Freiland erreichten Parasitierungsraten lagen in der Regel unter 10 %. In Japan wurden deutlich höhere Parasitierungsraten bei Leptopilina japonica (53 %) und Asorbara japonica (68 %) registriert. Ob zukünftig diese oder endemische Parasitoide möglicherweise zu inundativen Bekämpfungsverfahren geeignet sind, ist ein Schwerpunkt aktueller Forschung am JKI. Doch auch das Potential anderer natürlicher Gegenspieler bei der Regulierung der Kirschessigfliege -wie Ohrwurm und insektenpathogene Nematoden- wird derzeit von uns untersucht.

MN_Loesung_natuerlicheFeindeOrius_majusculus_saugt_KEF_Larve_ausMN_Loesung_natuerlicheFeindeTrichopria_parasitiert_KEF_Puppe
Orius majusculus saugt KEF Larve ausTrichopria parasitiert KEF Puppe
MN_Loesung_natuerlicheFeinde_Chrysoperlacarneerbeutetadulte_KEF
Chrysoperla carne erbeutet adulte KE

Krankheiten

Insektenpathogene Pilze, einschließlich Mikrosporidien, (z. B. Beauveria, Entomophthora, Nosema ) könnten als Krankheitserreger eine Rolle spielen. So wurde z.B. Entomophthora in großer Häufigkeit auf adulten Drosophiliden in Rebanlagen in Siebeldingen (Institut für Pflanzenschutz in Obst- und Weinbau) gefunden.

Als vielversprechend wird auch die Suche nach entomopathogenen Nudiviren angesehen. Diese sind mit den Baculoviren verwandt, welche in der biologischen Bekämpfung sehr gut etabliert sind.

Biotechnische Verfahren

Duftstoffe, Pheromone
Die geruchliche Orientierung von D. suzukii macht man sich in den o.g. Fallen bereits zunutze, jedoch ohne dass es sich um spezifische oder fernanlockende Duftstoffe handelt. Die Identifikation von artspezifischen und hochattraktiven Lockstoffen wäre die Voraussetzung zur Entwicklung von optimierten Massenfang- und von Attract & Kill-Verfahren. D. suzukii verfügt leider über keine Pheromone, die bei diesen biotechnischen Verfahren genutzt werden können. Einzig bisher bekannte Komponenten mit Pheromonwirkung bei anderen Drosophiliden-Arten sind langkettige kutikuläre Kohlenwasserstoffe, die nicht flüchtig und somit für solche Verfahren generell ungeeignet sind.

Habitatmanagement

Die Polyphagie und das Migrationsverhalten der Kirschessigfliege könnten Ansätze für ein gezieltes Habitatmanagement rund um Obst- und Rebanlagen ergeben, indem zum Zeitpunkt der Fruchtreife die einwandernden adulten D. suzukii vor dem Einflug in eine Ertragsanlage von einer noch attraktiveren „Ablenkungsfrucht" aufgehalten werden. Besonders geeignet sind hier Früchte, die zwar zur Eiablage gerne angenommen werden, in denen aber kaum oder gar keine Entwicklung stattfindet.

Kulturführung

Sowohl im Obst als auch im Weinanbau empfiehlt es sich den Bewuchs zwischen den Reihen kurz zu halten, denn feucht-warme Habitate werden von der Kirschessigfliege bevorzugt besucht. Generell ist bei der Kulturführung auf gut durchlüftete Bestände zu achten, im Weinbau schützt eine entblätterte Traubenzone vor der Kirschessigfliege. Im Beerenanbau ist eine engmaschige Pflückfolge (alle 2-3 Tage) wichtig.

Entscheidungshilfen

Modelle, die grundlegende Faktoren wie Temperaturen und Entwicklungsgeschwindigkeit, das Migrationsverhalten in der Landschaft und Wirtspflanzenpräferenzen berücksichtigen, könnten als Entscheidungshilfewerkzeuge bei der Bekämpfung genutzt werden. Es bleibt abzuwarten bzw. zu untersuchen, wie hoch der Synchronisationsgrad der Entwicklung der Fliege zu unterschiedlichen Jahreszeiten und in verschiedenen Kulturen ist, um festzustellen, wie sinnvoll solche Werkzeuge sein könnten.

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