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Wirtspflanzen und Schäden

Wirtspflanzen

Die Kirschessigfliege ist ein polyphager Schadorganismus, der eine enorm hohe Zahl an wildwachsenden und kultivierten Früchten befällt. Alle weichschaligen Obstarten sind besonders befallsgefährdet: Kirsche, Erdbeere, Brombeere, Himbeere, Blaubeere, Pflaume Pfirsich, Aprikose, Nektarine, Stachelbeere, Johannisbeere, Feige. Desweiteren Sharonfrucht (Persimonen),  winterharte Kiwi, Hartriegel, Holunderbeeren, Mistel. Äpfel und Nashi-Birnen werden durch die Kirschessigfliege nur befallen, wenn die Schale bereits geschädigt wurde. Bei Tafel- und Weintrauben gibt es hinsichtlich des Befalls große Sortenunterschiede. Weiße Weinsorten werden kaum befallen, unter den roten z.B. vor allem Acolon, Regent, Dornfelder, Trollinger. Die Beerengesundheit spielt dabei eine wichtige Rolle.

Schäden

Die Kirschessigfliege ist eine der sehr wenigen Arten der Essigfliegen, die in der Lage ist, gesunde reifende und reife Früchte zu schädigen. Mit Hilfe des sägeartigen Legeapparates durchbohren die Weibchen die intakte Fruchthaut, um anschließend ihre Eier direkt darunter in die Frucht abzulegen. Die beiden langen Atemfilamente der Eier ragen aus der Frucht heraus. Der Befall an den Früchten zeigt sich zunächst durch weiche Dellen an. Mit zunehmender Fraßaktivität der Larven entstehen kleine Löcher an der ursprünglichen Eiablagestelle und das Fruchtfleisch wir zunehmend zerfressen. Befallene Früchte beginnen sehr schnell zu zerfallen.    
Aufgrund der sehr raschen Entwicklung der Larven können Früchte ab der Eiablage in nur zwei bis drei Tagen kollabieren. Zudem können nach dem Befall der Früchte Sekundärinfektionen durch Pilz- oder Bakterienbefall zu einer weiteren Qualitätsverschlechterung (Fäulnis) beitragen.

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Schäden an AprikoseSchäden an Heidelbeeren
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Schäden an WeintraubenSchäden an Weintrauben
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Befallende Kirsche (Burlat)Befallene Kirschen (Hedelfinger)
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Befall an BrombeereBefallene Himbeeren

Bald nach dem Erstauftreten im Jahr 2008, traten regional bereits im Jahr 2010 starke Schäden auf (Ertragsausfälle in Südfrankreich an Erdbeeren von 80%, in Italien an Himbeeren 80%, in Südtirol an Süßkirschen 90% und an Brombeeren und Blaubeeren 30 bis 40 %). Ferner wurden hier bedeutende Schäden an Aprikosen, Erdbeeren, Johannisbeeren und Feigen registriert. Keine Schäden traten in den Befallsgebieten an Äpfeln und Birnen auf.

In Deutschland kam es ab 2012 zu Schäden und im Jahr ab 2014 waren diese erheblich. 2015 hielt sich der Schaden in Grenzen, da extreme Hitze und Trockenheit der Population zu schaffen machten. In Jahr 2016 wurden allerdings erneut Kirschen und Beerenfrüchte sehr stark befallen, teilweise kam es zu Totalausfall (s. Beschreibung zur Jahressituation).

Bei Wein- und Tafeltrauben wurden in Südtirol vor allem die Sorten Vernatsch (Trollinger, Schiava Grossa, Black Hamburg), Traminer und Lagrein geschädigt. Die Sorte Trollinger wurde unter der damaligen Bezeichnung Black Hamburg bereits in Japan in den 30er Jahren als stark anfällig mit Schäden von 70 bis 80 % beschrieben. Zu den in Südtirol nicht weit verbreiteten Sorten, die ebenfalls Befall zeigten, gehörte im Jahr 2011 die in Deutschland verbreitete Sorte Portugieser.

Die atlantisch geprägten Weinbaugebiete Westeuropas eignen sich klimatisch besonders für D. suzukii. Die Traubenlese der wichtigsten Rebsorten im deutschen Weinbau fällt genau in die Hauptvermehrungsphase von D. suzukii. Darüber hinaus sind die Trauben aufgrund einer bis zu zwei Monate dauernden Reifephase deutlich länger exponiert als in den mediterranen Weinbauländern. Die Vermutung lag nahe, dass unter diesen Konstellationen eine besondere Gefährdung der Trauben vorliegen könnte.

Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass die Voraussetzung für einen Befall der Trauben eine Vorschädigung der Beerenhaut ist. Spätbefall durch Oidium oder durch inneren Wasserdruck entstehende Mikrorisse spielen dabei eine große Rolle. Betrachtet man bei derart vorgeschädigten Trauben den Befall aller Essigfliegen, so spielt D. suzukii gegenüber D. melanogaster bei Trauben zahlenmäßig eine untergeordnete Rolle. Der größte Teil der in Trauben abgelegten Kirschessigfliegen-Eier entwickelt sich nicht. Trauben, die nur mit Kirschessigfliegen-Eiern belegt sind, die sich nicht weiter entwickeln, beginnen nicht zu faulen.

Obwohl viele Fragen zur Kirschessigfliege im Weinbau noch zu klären sind, lässt sich nach 5 Jahren Erfahrung mit der KEF in Deutschland sagen, dass ihre Gefahr für den Weinbau vermutlich überschätzt wurde. Sie ist nicht gefährlicher als die Taufliege D. melanogaster, mit der die Winzer schon immer leben mussten. Alle Maßnahmen, die zur Gesunderhaltung der Trauben dienen (Kulturmaßnahmen zur Botrytisvermeidung, Mehltaubekämpfung) können eine Bekämpfung in der Regel überflüssig machen. Bekämpfungen mit Insektiziden können deshalb auf Standorte beschränkt werden, die sich über die Jahre als Brennpunkt herauskristallisiert haben.